Umgestaltung St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin · Längsschnitt durch den Kirchenraum

Querschnitt

Grundriss Kirchenraum

Grundriss Empore

Grundriss Taufkapelle und Grabkapelle

Neu gestalteter Kirchenraum gemäß dem Zweiten Vatikanische Konzil

 

Umgestaltung St. Hedwigs-Kathedrale Berlin

 

Entwurfskonzept Wettbewerb

 

Jede Veränderung an einem historischen, denkmalgeschützten Gebäude steht im Spannungsfeld zwischen Zerstörung und Optimierung. Bei der St.Hedwigs-Kathedrale scheint dies im besonderen Maß zu gelten. Die Diskrepanz zwischen den denkmalpflegerischen Belangen mit der klaren Positionierung für die zu erhaltene Gesamtraumkonzeption von Hans Schwippert aus den 60er Jahren und die seitdem durch das Zweite Vatikanische Konzil veränderten liturgischen Anforderungen an eine Bischofskirche spiegeln dies wider. Die Geschichte der St.Hedwigs-Kathedrale beginnt bereits im 17. Jahrhundert, mit dem Bau als erste römisch-katholische Kirche in Berlin von 1747-73. Seit dieser Zeit wurde die Kathedrale mehrmals umgestaltet und bis zum heutigen Zustand weiterentwickelt. Die geschichtliche Bedeutung der St.Hedwigs-Kathedrale erscheint uns größer und vielfältiger, als die Fokusierung auf die letzte Gestaltung nach dem Wiederaufbau1956-63. Mit diesem Bewusstsein haben wir uns der Weiterentwicklung der St.Hedwigs-Kathedrale  als Gotteshaus angenähert. Es entwickelte sich ein immerwährendes Ausloten zwischen dem Ort der Geschichte als lebendes Denkmal und dem steten Fortführen eines Gotteshauses in die heutige Zeit. Der Respekt vor der Geschichte eines über 250 Jahren alten Gotteshauses spiegelt sich in unseren Ansätzen für eine Weiterentwicklung wider:

 

Die Bischofskirche

"Die Qualität des Raumes hat Auswirkungen auf die Qualität der Versammlung". Diesem Anspruch versucht zu folgen, schlagen wir eine große, offene Bischofskirche vor. Alle Konzentration gilt dem Wesentlichen - der Liturgie, dem Licht, dem Raum der die Gegenwart mit Gott verbindet. Jegliche störenden Einbauten werden entfernt, die Farben und Formen reduziert, um das Wesen des Ortes hervorzuheben. Der Boden ist aus hellen, warmen Terrazzo.  Aus diesem entwachsen die Orte der Liturgie, der Altarraum mit Altar, Ambo und Kathedra. Die Wände, Säulen, Friese werden in ihrer Erscheinung weiß gehalten. Nur die dunklen Holzsitzbänke, die Empore und die Orgel heben sich in Ihrer Materialität und Farbe ab. Die in Ihrer Proportion und Erscheinung unpräzise Kuppel wird mit einer zweiten, abgehängten, leichten Raumschale versehen. Diese besteht aus einer mikroperforierten, gewölbten Schale um die Akustik in dem zentralen Kuppelbau zu optimieren. Die Erscheinung der Kuppel wird klarer und weicher. Das Licht bekommt wieder mehr Raum. Mit der Schale wird wieder eine räumliche Proportion gebildet, die eine Kugel in den Raum schreibt, ein Symbol für Vollständigkeit, Ganzheit und Ewigkeit.

 

Die Unterkirche

Die neue Erschließung der Unterkirche erfolgt symmetrisch aus der Eingangshalle. Die Eingangshalle wird somit aufgewertet und Teil der Kathedrale. Die beiden Treppen fügen sich in die historische Raumgeometrie ein und führen großzügig in die Unterkirche. Hier weitet sich der Raum auf. Die beiden Beichträume sind direkt und großzügig zugänglich. Eine kleine Kapelle in der Hauptachse ist Bernhard Lichtenberg gewidmet. Der Treppenraum wird mit großen Sichtscheiben vom Kirchenraum klimatisch und akustisch getrennt. Das zusammengehörige Raumgefüge zwischen Bischofskirche, Eingangshalle und Treppen zur Unterkirche bleibt optisch jedoch erhalten. Die zentrale Kapelle in der Unterkirche ist der Ort der Taufe. Dieser ist im Zentrum der Kathedrale angeordnet, in zentraler, vertikaler Verbindung zur Bischofskirche, und zur Laterne. In die Taufkapelle schreitet man nochmals ein paar Stufen hinab. Dies ermöglicht einen höheren Innenraum. Auch ist es ein Verweis auf die erste christliche Taufkirche, dem Baptisterium des Lateran in Rom. Die Wände der Taufkapelle werden aus hinterleuchteten Alabasterplatten gebildet. Es entsteht ein feierlicher Raum mit der Konzentration auf das im Mittelpunkt stehende Taufbecken. Im rückwärtigen Bereich der öffentlich zugänglichen Unterkirche ist die Krypta mit den Grabkapellen und den Grabkammern angeordnet.

 

© Rustler Schriever